Tassen mit verschiedenen Teesorten und ihren Inhaltsstoffen

Die Chemie des Tees: Wirkstoffe, Inhaltsstoffe und ihre Wirkung

Jens Thume · Aktualisiert: · 17 Min. Lesezeit

Die Chemie des Tees – Was wirklich in deiner Tasse steckt

„Die Chemie des Tees“ klingt erstmal ein bisschen nach Chemieunterricht.

Becherglas, Reagenzglas, Schutzbrille und irgendwo steht wahrscheinlich ein Lehrer und fragt: „Und was passiert jetzt?“

Keine Sorge.

Bei TeeBohne machen wir das etwas gemütlicher.

Denn Tee ist tatsächlich eine ziemlich interessante Mischung aus verschiedenen natürlichen Inhaltsstoffen. Manche beeinflussen den Geschmack, andere die Farbe, wieder andere tragen dazu bei, warum uns eine Tasse Tee morgens angenehm wach macht.

Und dann gibt es Stoffe, die man in den letzten Jahren aus allen möglichen Gründen als wahre Wunderstoffe gefeiert hat.

Da lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen.

Was steckt wirklich im Tee?

Was macht ihn bitter?

Woher kommt das Koffein?

Was ist L-Theanin?

Warum schmeckt Grüntee anders als Schwarztee?

Und warum kann derselbe Tee je nach Zubereitung plötzlich komplett anders wirken?

Genau darum geht es hier.

Also: Wasserkocher an.

Wir schauen uns die Chemie des Tees einmal ganz entspannt an. ☕🌿

Infografik „Die Chemie des Tees“: Übersicht der wichtigsten Inhaltsstoffe wie Koffein, L-Theanin und Polyphenole, sowie Vergleich zwischen Grüntee und Schwarztee und die Faktoren für den perfekten Teegeschmack.

Was steckt eigentlich im Tee?

Echter Tee stammt von der Teepflanze Camellia sinensis.

Ob Grüntee, Schwarztee, Weißtee oder Oolong – die Grundlage ist dieselbe Pflanze.

Was später in der Tasse landet, hängt allerdings von vielen Faktoren ab:

  • Pflanzensorte
  • Anbaugebiet
  • Boden
  • Klima
  • Höhenlage
  • Erntezeit
  • Blattqualität
  • Verarbeitung
  • Lagerung
  • Dosierung
  • Wassertemperatur
  • Ziehzeit

Deshalb kann man auch nicht einfach sagen:

„Tee enthält immer soundsoviel von Stoff X.“

So einfach wäre es schön.

Ist es aber natürlich nicht. 😄

Die Zusammensetzung kann sich je nach Tee deutlich unterscheiden.

Und genau deshalb ist Tee chemisch betrachtet ziemlich spannend.


Koffein – der bekannteste Inhaltsstoff im Tee

Fangen wir mit dem Stoff an, den vermutlich die meisten Menschen kennen:

Koffein.

Koffein kommt natürlicherweise in der Teepflanze vor.

Und bevor jetzt jemand fragt:

„Ist Thein etwas anderes als Koffein?“

Nein.

Thein ist kein eigener Stoff.

„Thein“ ist eine ältere Bezeichnung für das Koffein, das im Tee vorkommt.

Chemisch handelt es sich um dasselbe Koffein wie beispielsweise im Kaffee.

Der Unterschied liegt eher darin, wie wir die Wirkung wahrnehmen und welche weiteren Inhaltsstoffe gleichzeitig vorhanden sind.

Einfach gesagt:

Tee und Kaffee enthalten Koffein.

Aber Tee ist eben nicht nur Koffein.


Warum wirkt Tee anders als Kaffee?

Jetzt wird es interessant.

Viele Menschen beschreiben die Wirkung von Tee als ruhiger oder gleichmäßiger als die von Kaffee.

Das kann verschiedene Gründe haben.

Einer davon ist die Kombination aus Koffein und anderen natürlichen Bestandteilen des Tees – insbesondere L-Theanin.

Aber daraus sollte man keine starre Formel machen wie:

„Tee wirkt nach genau 20 Minuten und dann exakt sechs Stunden.“

So funktioniert der menschliche Körper nicht.

Wie stark und wie schnell Koffein wahrgenommen wird, hängt unter anderem von der Teemenge, der Zubereitung, der individuellen Verträglichkeit und natürlich auch davon ab, ob vorher etwas gegessen wurde.

Und genau deshalb kann eine Tasse Tee bei einer Person ganz anders ankommen als bei der nächsten.

Humorvolle Infografik „Die Chemie des Tees“: Eine Übersicht der wichtigsten Inhaltsstoffe wie Koffein, L-Theanin und Tannine, inklusive einem Vergleich von Grün- und Schwarztee und Tipps zur Teezubereitung im TeeBohne-Stil.

L-Theanin – der interessante Partner des Koffeins

L-Theanin ist eine Aminosäure, die natürlicherweise in der Teepflanze vorkommt.

Besonders bekannt ist sie im Zusammenhang mit Grüntee.

L-Theanin ist deshalb interessant, weil es zusammen mit Koffein im Tee vorkommt und wissenschaftlich intensiv untersucht wird.

Viele Menschen beschreiben Tee als eine Kombination aus:

Wachheit + Ruhe.

Das klingt fast ein bisschen widersprüchlich.

Ist aber genau das, was Tee für viele so angenehm macht.

Dabei sollte man trotzdem nicht behaupten, L-Theanin mache Tee automatisch „entspannend“ oder sorge garantiert für eine bestimmte Wirkung.

Die tatsächliche Wirkung hängt von vielen Faktoren ab.

Aber als natürlicher Bestandteil der Teepflanze ist L-Theanin definitiv einer der Stoffe, wegen denen Tee chemisch betrachtet so interessant ist.


Polyphenole – die große Gruppe hinter vielen Teeinhaltsstoffen

Jetzt wird es ein wenig wissenschaftlicher.

Aber wirklich nur ein bisschen.

Polyphenole sind eine große Gruppe pflanzlicher Verbindungen.

Im Tee gehören dazu unter anderem verschiedene Catechine und andere phenolische Verbindungen.

Besonders bei Grüntee spielen Catechine eine wichtige Rolle.

Zu den bekannten Catechinen gehört beispielsweise EGCG.

Bei Schwarztee verändert die Verarbeitung einen Teil dieser Verbindungen.

Während der Oxidation entstehen unter anderem Theaflavine und Thearubigine.

Und damit sind wir bei einem entscheidenden Punkt:

Die Verarbeitung verändert die Chemie des Tees.


Grüntee und Schwarztee – gleiche Pflanze, andere Chemie

Das ist eigentlich eine der schönsten Geschichten beim Tee.

Camellia sinensis bleibt Camellia sinensis.

Aber was nach der Ernte mit den Blättern passiert, verändert das Ergebnis erheblich.

Grüntee

Beim Grüntee wird die enzymatische Oxidation der Blätter möglichst schnell gestoppt.

Das geschieht beispielsweise durch Dämpfen oder Erhitzen.

Dadurch bleiben bestimmte ursprüngliche Pflanzenstoffe stärker erhalten.

Typische Geschmacksrichtungen können sein:

  • frisch
  • pflanzlich
  • grasig
  • herb
  • umami-artig 

Schwarztee

Beim Schwarztee wird eine kontrollierte Oxidation zugelassen.

Dabei verändern sich die Inhaltsstoffe und es entstehen unter anderem Theaflavine und Thearubigine.

Das trägt zu typischen Eigenschaften von Schwarztee bei:

  • kräftiger Geschmack
  • dunklere Tassenfarbe
  • würzige Noten
  • malzige Aromen
  • teilweise fruchtige oder süßliche Nuancen

Wer genau wissen möchte, wie sich Schwarztee dabei entwickelt, kann auch unseren Schwarztee-Ratgeber lesen.


Die Farbe in der Tasse hat tatsächlich etwas mit Chemie zu tun

Wenn du einen kräftigen Schwarztee aufgießt, entsteht eine dunkle, rötlich-braune Tassenfarbe.

Grüntee dagegen bleibt häufig gelblich, hellgrün oder goldfarben.

Das ist kein Zufall.

Pigmente und Oxidationsprodukte beeinflussen das Aussehen des Getränks.

Gerade bei Schwarztee spielen die während der Oxidation entstehenden Theaflavine und Thearubigine eine wichtige Rolle für Farbe und Geschmack.

Die Tasse verrät uns also tatsächlich ein kleines bisschen darüber, was während der Verarbeitung mit den Teeblättern passiert ist.


Gerbstoffe und Tannine – warum Tee manchmal herb schmeckt

Jetzt kommen wir zu einem Thema, das jeder kennt, der schon einmal einen Schwarztee zu lange stehen ließ.

Herb.

Oder, um es freundlicher zu sagen:

„Der Tee hat Charakter.“

😉

Gerbstoffe beziehungsweise tanninartige Verbindungen tragen wesentlich zum Mundgefühl von Tee bei.

Sie können einen adstringierenden Eindruck erzeugen.

Das bedeutet:

Der Mund fühlt sich nach dem Trinken leicht trocken oder zusammenziehend an.

Gerade bei stark aufgebrühtem Schwarztee oder zu langer Ziehzeit kann dieser Eindruck deutlich werden.

Das ist übrigens einer der Gründe, warum Ziehzeit und Dosierung so viel ausmachen.


Warum wird Tee bitter?

„Bitter“ und „herb“ sind übrigens nicht exakt dasselbe.

Das wird gerne in einen Topf geworfen.

Bitterkeit ist ein Geschmackseindruck.

Herbheit beziehungsweise Adstringenz beschreibt eher dieses trockene, zusammenziehende Gefühl im Mund.

Beides kann bei Tee stärker werden, wenn die Zubereitung nicht passt.

Zum Beispiel durch:

  • zu lange Ziehzeit
  • zu hohe Dosierung
  • zu hohe Temperatur bei empfindlichen Tees
  • ungeeignete Wasserqualität
  • Gerade Grüntee reagiert häufig empfindlich auf zu heißes Wasser.

Deshalb ist die Zubereitung keine Nebensache.

Sie entscheidet ziemlich deutlich darüber, was am Ende in deiner Tasse landet.


Warum sollte Grüntee nicht immer mit kochendem Wasser aufgegossen werden?

Hier wird die Chemie praktisch.

Empfindliche Grüntees können bei sehr hohen Temperaturen stärker bittere und herbe Geschmacksnoten entwickeln.

Deshalb werden viele Grüntees mit niedrigeren Temperaturen zubereitet als klassischer Schwarztee.

Je nach Sorte kann das beispielsweise im Bereich von etwa 60 bis 80 °C liegen.

Aber auch hier gilt:

Nicht jeder Grüntee braucht exakt dieselbe Temperatur.

Ein kräftiger Sencha kann anders reagieren als ein besonders zarter japanischer Grüntee.

Deshalb ist die Temperaturempfehlung auf der Verpackung zunächst einmal ein ziemlich guter Ausgangspunkt.

Noch mehr praktische Tipps findest du in unserem Beitrag über den perfekten Grünen Tee.


Mineralstoffe – auch die sind im Tee enthalten

Tee enthält verschiedene Mineralstoffe.

Dazu gehören unter anderem:

  • Kalium
  • Mangan
  • Fluorid
  • Magnesium
  • weitere Mineralstoffe in kleineren Mengen

Wie viel davon tatsächlich in den Aufguss gelangt, hängt von vielen Faktoren ab.

Unter anderem von Teesorte, Pflanzenteil, Wasser und Zubereitung.

Deshalb ist eine Tasse Tee nicht plötzlich ein Mineralstoffpräparat.

Aber als natürlicher Bestandteil gehört das eben zur Chemie des Tees dazu.


Fluorid im Tee – warum wird darüber manchmal gesprochen?

Tee kann Fluorid enthalten.

Dabei können insbesondere ältere Blätter höhere Mengen aufweisen als junge Blätter.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass normaler Teekonsum problematisch ist.

Wie bei vielen anderen Stoffen gilt:

Die Menge macht den Unterschied.

Wer sehr große Mengen eines bestimmten Tees über lange Zeit konsumiert, sollte nicht einfach von „viel hilft viel“ ausgehen.

Tee ist schließlich kein Nahrungsergänzungsmittel.

Und wir wollen ja Tee trinken, nicht die Chemietabelle austrinken. 😄


Oxalsäure – auch ein Thema?

Ja.

Tee kann auch Oxalate beziehungsweise Oxalsäure enthalten.

Für gesunde Menschen stellt normaler Teekonsum in der Regel kein besonderes Problem dar.

Menschen mit bestimmten gesundheitlichen Problemen, beispielsweise einer Neigung zu Calciumoxalat-Nierensteinen, sollten das Thema individuell mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum man bei Ernährungsthemen nicht mit pauschalen Aussagen arbeiten sollte.

„Natürlich“ bedeutet nicht automatisch „für jeden immer völlig egal“.


Vitamine im Tee – steckt da wirklich viel drin?

Tee kann verschiedene Vitamine und vitaminähnliche Pflanzenstoffe enthalten.

Bei Vitamin C wird allerdings häufig übertrieben.

Ja, frische Teeblätter enthalten Vitamin C.

Aber bei der Verarbeitung und insbesondere bei der Zubereitung des fertigen Getränks sieht die Sache deutlich komplizierter aus.

Wer seinen täglichen Vitaminbedarf decken möchte, sollte deshalb lieber Gemüse und Obst auf den Teller legen.

Tee bleibt Tee.

Und das ist auch völlig okay. 😄


Was passiert mit den Inhaltsstoffen beim Aufbrühen?

Jetzt wird es wieder spannend.

Denn das, was im trockenen Blatt steckt, landet nicht automatisch komplett im Wasser.

Beim Aufgießen werden nur bestimmte Bestandteile extrahiert.

Wie viel davon in die Tasse gelangt, hängt unter anderem ab von:

Temperatur

Je heißer das Wasser, desto schneller können bestimmte Stoffe gelöst werden.

Ziehzeit

Je länger der Tee zieht, desto mehr Stoffe können in den Aufguss übergehen.

Blattgröße

Fein geschnittener Tee verhält sich anders als große ganze Blätter.

Wassermenge

Natürlich macht es einen Unterschied, ob du einen Teelöffel Tee mit 200 oder 500 Millilitern Wasser aufgießt.

Wasserqualität

Mineralgehalt und Wasserhärte können Geschmack und Extraktion beeinflussen.


Warum schmeckt derselbe Tee manchmal völlig anders?

Du kaufst einen Tee.

Machst ihn zuhause.

Lecker.

Am nächsten Tag bereitest du ihn wieder zu.

Und plötzlich denkst du:

„Habe ich eigentlich denselben Tee genommen?“

Sehr wahrscheinlich ja.

Aber vielleicht war:

  • das Wasser heißer
  • die Ziehzeit länger
  • mehr Tee im Sieb
  • die Tasse größer
  • das Wasser weicher
  • oder der Tee länger geöffnet

Das sind kleine Unterschiede.

Aber beim Tee können kleine Unterschiede ziemlich große Auswirkungen haben.


Wasser – der unterschätzte Bestandteil deiner Teetasse

Wir reden ständig über Tee.

Dabei besteht eine Tasse Tee zu einem sehr großen Teil aus etwas anderem:

Wasser.

Und das Wasser kann den Geschmack erheblich beeinflussen.

Sehr hartes Wasser kann den Geschmack mancher Tees verändern.

Bei empfindlichen Grüntees kann weicheres Wasser oft die feineren Aromen besser zur Geltung bringen.

Auch die Temperatur spielt natürlich eine Rolle.

Deshalb ist „Tee zubereiten“ eigentlich eher:

Tee + Wasser + Temperatur + Zeit.

Und dann kommt noch dein Geschmack dazu.


Warum schmeckt Tee aus derselben Packung manchmal unterschiedlich?

Auch innerhalb einer Sorte gibt es natürliche Schwankungen.

Tee ist schließlich ein Naturprodukt.

Die Pflanzen wachsen nicht wie Schrauben in einer Fabrik.

Wetter, Erntezeit, Anbaugebiet und Verarbeitung können Einfluss nehmen.

Besonders spannend ist das bei sogenannten Flushes.

Ein First Flush eines Darjeeling kann beispielsweise ganz anders schmecken als ein späterer Erntezeitraum.

Deshalb lohnt es sich manchmal, nicht nur auf den Namen eines Tees zu schauen.

Auch Ernte, Herkunft und Verarbeitung erzählen etwas.

Mehr dazu findest du übrigens in unserem großen Beitrag über Tee-Anbaugebiete.


Aromatisierter Tee – was passiert da eigentlich?

Jetzt wird es für TeeBohne natürlich besonders interessant.

Denn Tee kann nicht nur durch seine natürliche Sorte und Verarbeitung unterschiedlich schmecken.

Er kann auch aromatisiert werden.

Dabei können natürliche oder naturidentische Aromen beziehungsweise andere geschmackgebende Zutaten zum Einsatz kommen.

Darüber hinaus gibt es Tees mit echten Zutaten wie:

  • Früchten
  • Blüten
  • Gewürzen
  • Kräutern
  • Schalen
  • Gewürzstücken

Das verändert das Aromaprofil teilweise deutlich.

Ein Schwarztee mit Bergamotte wirkt beispielsweise völlig anders als ein naturbelassener Assam.

Und genau das ist für uns das Schöne an Tee:

Es muss nicht immer nur „klassisch“ sein.

Manchmal darf es eben auch ein bisschen mehr Aroma sein.


Rooibos – Tee oder doch kein Tee?

Jetzt machen wir einen kleinen Umweg.

Rooibos wird im Alltag ganz selbstverständlich als Tee bezeichnet.

Botanisch gesehen ist er aber kein echter Tee.

Denn Rooibos stammt nicht von Camellia sinensis, sondern von einer südafrikanischen Pflanze.

Dafür ist Rooibos von Natur aus koffeinfrei.

Das macht ihn für Menschen interessant, die den Geschmack eines warmen Aufgusses genießen möchten, aber auf Koffein verzichten wollen.

Bei TeeBohne findest du deshalb natürlich auch verschiedene Rooibos-Sorten.

Und genau solche Unterschiede machen die Welt der Aufgussgetränke so abwechslungsreich.


Schwarzer Tee, grüner Tee, weißer Tee – warum sind sie so verschieden?

Alle drei können von derselben Pflanze stammen.

Und trotzdem schmecken sie unterschiedlich.

Grüner Tee

Wenig oxidiert.

Oft frisch, pflanzlich, herb oder umami-artig.

Schwarzer Tee

Stärker oxidiert.

Oft kräftig, würzig, malzig oder fruchtig.

Weißer Tee

Sehr schonend verarbeitet.

Oft zart, mild, floral oder leicht süßlich.

Oolong

Teilweise oxidiert.

Geschmacklich irgendwo zwischen Grün- und Schwarztee – wobei das Spektrum enorm groß ist.

Das Spannende:

Die Pflanze muss dafür gar nicht komplett anders sein.

Die Verarbeitung macht einen riesigen Unterschied.


Ist mehr Koffein automatisch besser?

Nein.

Das ist so ähnlich wie bei Kaffee.

Mehr bedeutet nicht automatisch besser.

Wenn du morgens ordentlich Wachheit möchtest, kann ein kräftiger Schwarztee für dich genau richtig sein.

Wenn du dagegen abends einen gemütlichen Tee trinken möchtest, passt ein koffeinfreier Kräutertee oder Rooibos vielleicht besser.

Es geht also nicht darum, möglichst viel von einem bestimmten Stoff zu bekommen.

Es geht darum, den richtigen Tee für den richtigen Moment zu finden.

Und manchmal ist der richtige Moment einfach:

„Jetzt eine Tasse und fünf Minuten Ruhe.“


Tee und Gesundheit – was darf man wirklich sagen?

Das Thema ist wichtig.

Tee enthält viele interessante Pflanzenstoffe.

Dazu gibt es zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen.

Aber zwischen:

„Dieser Inhaltsstoff wird erforscht“

und

„Dieser Tee verhindert Krankheit X“

liegt ein ziemlich großer Unterschied.

Deshalb sollte man mit Gesundheitsversprechen vorsichtig sein.

Tee kann Teil einer abwechslungsreichen Ernährung und eines bewussten Lebensstils sein.

Er ist aber kein Medikament.

Und wenn jemand gesundheitliche Beschwerden hat, gehört die Frage in die Hände einer medizinischen Fachperson und nicht in einen Teeblog.

Das klingt vielleicht etwas trocken.

Ist aber einfach ehrlicher.


Gibt es einen „gesündesten“ Tee?

Auch hier würde ich nicht mit einer Rangliste anfangen.

Der „gesündeste Tee der Welt“ ist nämlich ungefähr so schwer zu bestimmen wie der „beste Kuchen der Welt“.

Es kommt darauf an, was du suchst.

Möchtest du Koffein?

Dann können Grün- oder Schwarztee interessant sein.

Möchtest du keinen Koffein?

Dann bieten sich Rooibos oder viele Kräutertees an.

Möchtest du einen besonders feinen Geschmack?

Dann kann ein Weißtee oder hochwertiger Oolong spannend sein.

Die bessere Frage lautet deshalb:

Welcher Tee passt zu dir und zu dem Moment?


Tee am Morgen, Tee am Nachmittag, Tee am Abend

Auch der Zeitpunkt spielt eine Rolle.

Morgens

Schwarztee oder Grüntee können aufgrund ihres Koffeingehalts interessant sein.

Nachmittags

Hier darf es alles sein.

Schwarztee, Grüntee, Oolong, aromatisierter Tee – ganz nach Lust und Laune.

Abends

Wer Koffein vermeiden möchte, greift häufig lieber zu Rooibos oder Kräutertee.

Und genau da merkt man:

Tee ist nicht nur ein Getränk.

Tee kann eine kleine Tagesroutine sein.


Warum riecht Tee eigentlich so gut?

Auch das ist Chemie.

Beim Trocknen und Verarbeiten entstehen beziehungsweise verändern sich zahlreiche Aromastoffe.

Beim Aufgießen werden flüchtige Verbindungen freigesetzt.

Und genau diese gelangen in unsere Nase.

Was wir als „Tee schmeckt floral“ oder „Tee riecht fruchtig“ beschreiben, entsteht also aus einem Zusammenspiel vieler einzelner Moleküle.

Unser Gehirn macht daraus dann:

„Ah, das riecht nach Pfirsich.“

Oder:

„Das erinnert mich an Blumen.“

Ob der Tee tatsächlich Pfirsiche enthält, ist eine ganz andere Frage. 😄


Warum kann Tee nach Früchten oder Blumen schmecken, obwohl gar keine drin sind?

Das ist eines der faszinierendsten Dinge an Tee.

Ein Tee kann beispielsweise eine natürliche Wahrnehmung von:

  • Honig
  • Pfirsich
  • Aprikose
  • Blumen
  • Nüssen
  • Malz
  • Schokolade
  • Gewürzen

entwickeln, ohne dass diese Zutaten tatsächlich enthalten sein müssen.

Das liegt an seinem natürlichen Aromaprofil und daran, wie unser Geruchs- und Geschmackssinn bestimmte Verbindungen wahrnimmt.

Beim Tee ist die Beschreibung daher oft eher eine Aromabeschreibung als eine Zutatenliste.

Wenn auf einem Tee allerdings echte Fruchtstücke oder Gewürze enthalten sind, sieht die Sache natürlich anders aus.


Warum verändert sich Tee beim Lagern?

Tee ist zwar getrocknet, aber nicht völlig „tot“.

Licht, Wärme, Feuchtigkeit, Sauerstoff und Fremdgerüche können die Qualität beeinflussen.

Besonders empfindlich sind aromatische Tees.

Deshalb gilt:

Trocken, dunkel, gut verschlossen und weg von starken Gerüchen.

Dann hat der Tee deutlich bessere Chancen, sein ursprüngliches Aroma zu behalten.

Die Teedose neben dem offenen Knoblauch?

Vielleicht lieber nicht.

Wir wollen schließlich Tee trinken und keine Kücheninventur. 😄


Was ist mit Mikroplastik in Teebeuteln?

Das Thema taucht immer wieder auf.

Dabei muss man genau hinschauen, denn Teebeutel können aus unterschiedlichen Materialien bestehen.

Es gibt klassische Papierfilter, kompostierbare Materialien, Nylon oder andere Kunststoffe.

Deshalb kann man nicht einfach sagen:

„Teebeutel enthalten Mikroplastik.“

Das hängt vom verwendeten Material ab.

Wer dem Thema möglichst einfach aus dem Weg gehen möchte, kann losen Tee verwenden.

Das hat noch einen weiteren Vorteil:

Du kannst die Teeblätter sehen.

Und bei hochwertigem Tee ist das manchmal ziemlich interessant.


Chemie klingt kompliziert – Tee ist es aber eigentlich nicht

Wenn man einmal alles zusammennimmt, ist die Sache erstaunlich schön.

Ein Teeblatt enthält eine Vielzahl natürlicher Stoffe.

Beim Anbau beeinflussen Klima, Boden und Pflanze die Zusammensetzung.

Bei der Ernte entscheidet sich, welche Blätter und Triebe verwendet werden.

Bei der Verarbeitung verändern sich bestimmte Inhaltsstoffe.

Beim Aufgießen lösen sich wieder andere Bestandteile im Wasser.

Und dann kommt unser eigener Geschmackssinn ins Spiel.

Das Ergebnis:

Eine Tasse Tee.

Ziemlich viel Chemie für so wenig Flüssigkeit. 😉


Und genau deshalb macht Tee so viel Spaß

Je mehr man über Tee weiß, desto interessanter wird eine einfache Tasse.

Du kannst beim nächsten Assam einmal darauf achten:

Wie riecht er?

Wie verändert sich die Tasse während des Aufgusses?

Wie herb ist er?

Wie lange bleibt das Aroma?

Und probier denselben Tee einmal mit einer etwas kürzeren Ziehzeit.

Dann wieder etwas länger.

Plötzlich merkst du:

Du hast nicht den Tee verändert. Du hast seine Zubereitung verändert.

Und damit auch seine Chemie in der Tasse.


Fazit: Die Chemie des Tees ist eigentlich ziemlich faszinierend

Tee ist kein Zaubertrank.

Aber langweilig ist er deshalb noch lange nicht.

Koffein, L-Theanin, Polyphenole, Catechine, Theaflavine, Thearubigine, Gerbstoffe und zahlreiche Aromastoffe sorgen gemeinsam dafür, dass Tee so unterschiedlich schmecken und wahrgenommen werden kann.

Und dann kommen noch Herkunft und Verarbeitung dazu.

Ein Darjeeling ist eben nicht einfach nur „schwarzer Tee“.

Ein Sencha ist nicht einfach nur „grüner Tee“.

Und ein aromatisierter Tee erzählt sowieso noch einmal eine ganz andere Geschichte.

Am Ende ist es aber gar nicht nötig, jedes Molekül auswendig zu kennen.

Manchmal reicht auch einfach:

Tasse nehmen.

Tee aufgießen.

Hinsetzen.

Ersten Schluck nehmen.

Und kurz denken:

„Verdammt, ist Tee eigentlich ein interessantes Zeug.“ 😄☕

Und wenn du jetzt noch wissen möchtest, woher die ganzen Teeblätter eigentlich kommen, geht es weiter mit unserem großen Beitrag über die Tee-Anbaugebiete der Welt.

Oder du schaust dir an, wie du aus den ganzen schönen Inhaltsstoffen geschmacklich auch wirklich etwas herausholst: mit dem perfekten Grünen Tee.

Und wenn dann noch Kuchen auf dem Tisch steht, ist die Sache sowieso klar:

Weiter geht's zum Tee Pairing. 😄


Häufige Fragen zur Chemie des Tees

Was ist Koffein im Tee?

Koffein ist ein natürlicher Inhaltsstoff der Teepflanze Camellia sinensis. Es ist chemisch dasselbe Koffein wie im Kaffee. Die Menge im Tee hängt unter anderem von Sorte, Blattqualität, Dosierung und Zubereitung ab.

Ist Thein etwas anderes als Koffein?

Nein. Thein ist eine ältere Bezeichnung für das Koffein im Tee. Chemisch handelt es sich um denselben Stoff wie beim Koffein aus Kaffee.

Was ist L-Theanin?

L-Theanin ist eine natürlich vorkommende Aminosäure in der Teepflanze. Sie kommt insbesondere in Grüntee vor und ist wegen ihres Zusammenspiels mit Koffein Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.

Was sind Polyphenole im Tee?

Polyphenole sind eine große Gruppe pflanzlicher Verbindungen. Im Tee gehören dazu unter anderem Catechine. Bei der Verarbeitung von Schwarztee entstehen daraus teilweise andere Verbindungen wie Theaflavine und Thearubigine.

Warum wird Tee bitter?

Bittere und herbe Geschmackseindrücke können unter anderem durch eine hohe Dosierung, eine lange Ziehzeit oder eine ungeeignete Wassertemperatur verstärkt werden. Besonders empfindliche Grüntees können auf zu heißes Wasser reagieren.

Enthält Schwarztee mehr Koffein als Grüntee?

Nicht pauschal. Der Koffeingehalt hängt von Sorte, Blattmaterial, Dosierung und Zubereitung ab. Schwarztee kann einen höheren Koffeingehalt haben, muss es aber nicht in jedem Einzelfall.

Warum schmeckt Schwarztee anders als Grüntee?

Beide stammen von Camellia sinensis. Der wichtigste Unterschied liegt in der Verarbeitung. Grüntee wird so verarbeitet, dass die Oxidation weitgehend verhindert wird, während Schwarztee stärker oxidiert wird. Dadurch verändern sich Geschmack, Farbe und bestimmte Inhaltsstoffe.

Ist Rooibos echter Tee?

Nein. Rooibos stammt nicht von Camellia sinensis, sondern von einer südafrikanischen Pflanze. Im Alltag wird Rooibos trotzdem als Tee beziehungsweise teeähnliches Getränk bezeichnet. Rooibos ist von Natur aus koffeinfrei.

Ist Tee gesund?

Tee enthält zahlreiche natürliche Pflanzenstoffe und kann Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. Gesundheitsversprechen sollten jedoch nicht übertrieben werden. Tee ersetzt weder Medikamente noch eine medizinische Behandlung.

Wie bewahre ich Tee richtig auf?

Tee sollte trocken, dunkel, gut verschlossen und möglichst fern von starken Gerüchen gelagert werden. Feuchtigkeit, Licht, Wärme und Sauerstoff können das Aroma beeinträchtigen.

Warum kann derselbe Tee unterschiedlich schmecken?

Die Extraktion beim Aufgießen hängt unter anderem von Dosierung, Wassertemperatur, Ziehzeit, Wasserqualität und Blattgröße ab. Schon kleine Veränderungen können das Geschmacksergebnis deutlich verändern.

Was haben Theaflavine und Thearubigine mit Schwarztee zu tun?

Diese Stoffgruppen entstehen während der Oxidation der Teeblätter und tragen unter anderem zu Farbe, Geschmack und Mundgefühl von Schwarztee bei.

Warum schmeckt Tee manchmal fruchtig oder floral, obwohl keine Früchte oder Blumen enthalten sind?

Tee kann durch seine natürlichen Aromastoffe an Früchte, Blumen, Gewürze oder andere Aromen erinnern. Solche Beschreibungen beziehen sich häufig auf die wahrgenommenen Aromen und bedeuten nicht automatisch, dass die genannten Zutaten enthalten sind.

Enthält Tee Mineralstoffe?

Ja. Tee enthält unter anderem Mineralstoffe wie Kalium, Mangan und Fluorid. Die tatsächlich in den Aufguss übergehende Menge hängt jedoch von Tee, Wasser und Zubereitung ab.

Was beeinflusst die chemische Zusammensetzung eines Tees?

Unter anderem Pflanzensorte, Herkunft, Klima, Boden, Höhenlage, Erntezeit, Blattmaterial, Verarbeitung und Lagerung. Auch die Zubereitung beeinflusst, welche Stoffe tatsächlich in der Tasse landen.

Gibt es koffeinfreien Tee?

Echter Tee aus Camellia sinensis enthält natürlicherweise Koffein. Koffeinfreie beziehungsweise koffeinarme Alternativen sind beispielsweise Rooibos oder viele Kräuter- und Früchtetees. Entkoffeinierter echter Tee ist ebenfalls erhältlich.

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