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Teetrinken in Ostfriesland: Eine tief verwurzelte Tradition
Jens Thume · Aktualisiert: · 14 Min. LesezeitTeetrinken in Ostfriesland – eine tief verwurzelte Tradition
Wer an Ostfriesland denkt, denkt vielleicht zuerst an die Nordsee, Wind, Deiche, Leuchttürme und diese ganz besondere Landschaft im Norden.
Ich denke bei Ostfriesland ziemlich schnell an etwas anderes:
Tee.
Und zwar nicht einfach an eine Tasse Tee, die man nebenbei trinkt.
In Ostfriesland ist Tee ein Stück Kultur.
Eine feste Gewohnheit.
Ein Grund, sich zusammenzusetzen.
Und manchmal wahrscheinlich auch eine ziemlich gute Ausrede, noch ein bisschen länger sitzen zu bleiben. 😉
Die Ostfriesische Teekultur gehört seit 2016 zum Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland. Die Deutsche UNESCO-Kommission beschreibt sie als eigenständige Kulturpraxis, die sich über rund 300 Jahre entwickelt hat und bis heute den Alltag sowie das familiäre und gesellschaftliche Miteinander prägt.
Und genau deshalb lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen.
Denn hinter Kluntje, Wulkje, Teekanne und ostfriesischer Mischung steckt deutlich mehr als ein hübsches Ritual.

☕ Warum trinken Ostfriesen eigentlich so viel Tee?
Das ist eine interessante Frage.
Denn Deutschland gilt nun wirklich nicht als klassisches Teeland.
Ostfriesland hat trotzdem eine ganz eigene Teekultur entwickelt.
Frühe Belege für Tee in Ostfriesland stammen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Bereits 1675 verkauften mehrere Leeraner Kaufleute Tee. Was zunächst eher den wohlhabenderen Bevölkerungsschichten vorbehalten war, entwickelte sich im 18. Jahrhundert zunehmend zu einem Alltagsgetränk.
Eine Rolle spielte dabei auch die geografische Lage Ostfrieslands.
Die Nähe zu den Niederlanden erleichterte den Zugang zum Teehandel. Die Deutsche UNESCO-Kommission nennt den niederländischen Teeimport als einen wichtigen Einfluss auf die Entwicklung der regionalen Teekultur.
Aus einem importierten Luxusgetränk wurde im Laufe der Zeit etwas ganz anderes:
ein fester Bestandteil des täglichen Lebens.
Und irgendwann war Tee in Ostfriesland eben nicht mehr einfach nur Tee.
Es wurde Teekultur.
🌊 Tee als Teil des ostfriesischen Alltags
Das Spannende an der ostfriesischen Teekultur ist für mich gar nicht nur die Menge des getrunkenen Tees.
Es ist die Selbstverständlichkeit.
Tee gehört dazu.
Zur Familie.
Zu Besuch.
Zum Gespräch.
Zum Alltag.
Die UNESCO beschreibt regelmäßige Teezeiten und gemeinsames Teetrinken als eine Praxis, die bis heute das familiäre und berufliche Miteinander mitprägt. Das Wissen und die Vorlieben für bestimmte Teemischungen werden dabei häufig innerhalb der Familien weitergegeben.
Und genau da merkt man:
Hier geht es nicht nur um ein Getränk.
Es geht um Zusammensein.
🫖 Was ist die ostfriesische Teezeremonie?
Jetzt kommen wir zum eigentlichen Herzstück.
Denn in Ostfriesland wird Tee traditionell nicht einfach in die Tasse gekippt.
Es gibt eine bestimmte Reihenfolge.
Und die ist erstaunlich schön.
1. Kluntje in die Tasse
Zuerst kommt ein Stück weißer Kandiszucker in die Tasse.
Kluntje.
Das große Stück Kandis liegt unten in der Tasse.
Dann kommt der Tee.
Und jetzt passiert etwas, das für Menschen außerhalb Ostfrieslands zunächst etwas ungewöhnlich wirken kann:
Der Kandis wird nicht vorher zerhackt und auch nicht hektisch umgerührt.
Man lässt ihn einfach machen.
🍬 Was ist Kluntje?
Kluntje ist weißer Kandiszucker.
Aber im ostfriesischen Tee ist er mehr als einfach nur Zucker.
Er gehört zur Zeremonie.
Wenn der heiße Tee auf den Kandis trifft, hört man manchmal sogar das charakteristische Knacken.
Das ist ein kleiner Moment, den man bei einer modernen Tasse Tee vielleicht gar nicht mehr erwartet.
Aber genau solche Kleinigkeiten machen Traditionen lebendig.
☁️ Und dann kommt das Wulkje
Jetzt wird es richtig schön.
Nach dem Tee kommt die Sahne.
Sie wird vorsichtig am Rand auf den Tee gegeben.
Die Sahne sinkt zunächst nach unten und steigt anschließend wieder nach oben.
Dabei entstehen helle, wolkenartige Gebilde.
Das sogenannte:
Wulkje.
Also sinngemäß:
kleine Wolke.
Die Deutsche UNESCO-Kommission beschreibt genau dieses Zusammenspiel aus Kluntje, Tee und Sahne als charakteristischen Bestandteil der ostfriesischen Teezeremonie.
Und jetzt kommt der wichtigste Punkt:
❌ Ostfriesentee wird nicht einfach umgerührt
Zumindest nicht, wenn man die traditionelle Zeremonie erleben möchte.
Denn dadurch würde man genau das zerstören, was den Geschmack der einzelnen Schlucke so interessant macht.
Zuerst kommt die Sahne.
Dann der kräftige Tee.
Und später wird der Geschmack durch die Süße des Kandiszuckers verändert.
Die UNESCO beschreibt deshalb ausdrücklich, dass der Tee traditionell nicht umgerührt wird.
Das bedeutet:
Jeder Schluck kann ein bisschen anders schmecken.
Und genau das ist eigentlich ziemlich clever.
🥛 Warum kommt die Sahne überhaupt in den Tee?
Natürlich kann man heute sagen:
„Sahne im Tee? Warum?“
Aber in der ostfriesischen Tradition gehört sie einfach dazu.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viel Sahne in die Tasse zu geben.
Es geht um das Zusammenspiel.
Kräftiger Schwarztee.
Milde Sahne.
Süßer Kandis.
Und genau deshalb wird auch nicht wild umgerührt.
Der Geschmack entwickelt sich während des Trinkens.
🥄 Warum soll man den Tee nicht umrühren?
Das ist eine der Fragen, die vermutlich jeder irgendwann stellt.
Die einfache Antwort lautet:
Weil die verschiedenen Geschmackseindrücke erhalten bleiben sollen.
Traditionell wird der Tee so getrunken, dass sich Sahne, Tee und Kandis nicht sofort vollständig miteinander vermischen.
Dadurch verändert sich der Geschmack von Schluck zu Schluck.
Die Ostfriesische Landschaft beschreibt außerdem die überlieferte Praxis, dass das Umrühren nicht üblich ist.
Und mal ehrlich:
Manchmal ist es doch ganz schön, wenn man nicht alles sofort miteinander vermischt.
🫖 Drei Tassen sind Ostfriesenrecht
Jetzt wird es interessant.
Wer in Ostfriesland zum Tee eingeladen wird, sollte nicht unbedingt nach der ersten Tasse aufspringen und sagen:
„Danke, war lecker, ich muss los.“
Denn traditionell gilt:
Drei Tassen sind Ostfriesenrecht.
Die Ostfriesische Landschaft beschreibt diese Redewendung als Teil der Tee-Tradition. In der überlieferten Praxis wird nachgeschenkt, sobald die Tassen leer sind.
Und wenn man keinen Tee mehr möchte?
Dann kommt der Löffel ins Spiel.
Ein Teelöffel in der leeren Tasse kann signalisieren:
Danke, ich möchte keinen weiteren Tee.
So wird aus einer kleinen Tasse Tee plötzlich eine ziemlich ausgefeilte Kommunikation.
🌹 Die berühmte ostfriesische Rose
Natürlich braucht eine solche Teekultur auch das passende Geschirr.
Typisch für Ostfriesland ist Teegeschirr mit dem bekannten Rosendekor.
Die sogenannte:
Ostfriesische Rose.
Auch dieses Geschirr gehört zur materiellen Kultur der Region und wird von der Deutschen UNESCO-Kommission ausdrücklich als Bestandteil der ostfriesischen Teekultur genannt.
Und wenn man eine ostfriesische Teetasse einmal in der Hand hatte, versteht man auch, warum sie irgendwie sofort nach Teezeremonie aussieht.
Kleine Tasse.
Feines Dekor.
Kräftiger Tee.
Kandis.
Sahne.
Mehr braucht es eigentlich nicht.
🍃 Was ist echter Ostfriesentee?
Hier wird es etwas komplizierter.
Denn Ostfriesentee ist nicht einfach eine einzelne Teepflanze oder eine bestimmte Teesorte aus einem einzigen Teegarten.
Es handelt sich um eine traditionelle Schwarztee-Mischung.
Die „Echt ostfriesische Mischung“ ist laut Deutscher UNESCO-Kommission eine regionale Besonderheit. Sie besteht insbesondere aus kräftigen Assam-Tees und darf sich in diesem traditionellen Verständnis nur dann „echt“ nennen, wenn sie in Ostfriesland gemischt wurde.
Das ist wichtig:
Ostfriesentee beschreibt eine Mischung und Teekultur – keine einzelne Herkunft wie Assam oder Darjeeling.
🌱 Welche Tees stecken in einer Ostfriesenmischung?
Jetzt wird es spannend.
Denn bei Mischungen geht es nicht darum, einfach mehrere Tees zusammenzukippen.
Die einzelnen Komponenten können unterschiedliche Aufgaben übernehmen.
Assam
Assam bildet bei vielen traditionellen Ostfriesenmischungen eine wichtige Grundlage.
Warum?
Weil Assam für einen kräftigen, vollmundigen und häufig malzigen Charakter bekannt ist.
Das ist genau die Richtung, die ein klassischer Ostfriesentee braucht.
Java
Java kann eine Mischung abrunden und ihr zusätzliche Struktur verleihen.
Darjeeling
Darjeeling kann feinere und aromatischere Nuancen beitragen.
Ceylon
Ceylon kann ebenfalls für Frische und Würze sorgen.
Aber:
Nicht jede Ostfriesenmischung enthält dieselben Bestandteile im gleichen Verhältnis.
Das ist wichtig.
Es gibt nicht die eine weltweit festgeschriebene Rezeptur, nach der jede Mischung hergestellt wird.
Bei TeeBohne findest du beispielsweise verschiedene Schwarztees und ostfriesische Mischungen in unserer Schwarztee-Auswahl.
Und wenn du die einzelnen Schwarzteearten besser kennenlernen möchtest, lohnt sich auch unser Ratgeber über die bekanntesten Teesorten.
🧪 Warum wird Ostfriesentee überhaupt gemischt?
Eine gute Mischung soll nicht einfach nur kräftig sein.
Sie soll wiedererkennbar und ausgewogen schmecken.
Das ist ein bisschen wie bei einem guten Kaffee-Blend.
Eine Komponente bringt Körper.
Eine andere sorgt für Würze.
Eine weitere bringt feinere Aromen.
Und zusammen entsteht etwas Eigenständiges.
Genau deshalb kann man einen Ostfriesentee nicht einfach mit einem beliebigen Assam gleichsetzen.
Assam kann ein wichtiger Bestandteil sein.
Aber:
Ostfriesentee ist mehr als Assam.
🖤 Ostfriesentee und schwarzer Tee – wo liegt der Unterschied?
Ostfriesentee ist schwarzer Tee.
Aber schwarzer Tee ist nicht automatisch Ostfriesentee.
Das ist der entscheidende Unterschied.
Schwarzer Tee
Eine große Gruppe verschiedener Tees aus der Teepflanze Camellia sinensis.
Darunter zum Beispiel:
- Assam
- Darjeeling
- Ceylon
- Keemun
- Yunnan
- Java
Ostfriesentee
Eine traditionelle Mischung verschiedener Schwarztees, die speziell auf den kräftigen ostfriesischen Charakter abgestimmt wird.
Wenn du also einen einzelnen Assam trinkst, trinkst du Assam.
Wenn du eine traditionelle Ostfriesenmischung trinkst, trinkst du einen Blend.
Und genau dieser Unterschied ist für den Geschmack entscheidend.
💧 So wird eine ostfriesische Teestunde zubereitet
Jetzt machen wir es praktisch.
Denn man kann die Tradition natürlich auch zu Hause ausprobieren.
Die Ostfriesische Landschaft beschreibt für die klassische Zubereitung unter anderem lose Teeblätter, weiches Wasser, eine Teekanne, Kluntje und Sahne. Als Richtwert werden etwa 4 Teelöffel Tee pro Liter genannt; die Blätter ziehen zunächst etwa drei bis fünf Minuten, bevor die Kanne aufgefüllt wird.
Schritt 1: Kanne vorwärmen
Die Teekanne mit heißem Wasser ausspülen.
Das wärmt die Kanne vor.
Schritt 2: Losen Tee hineingeben
Für die traditionelle Zubereitung werden lose Teeblätter verwendet.
Als Orientierung nennt die Ostfriesische Landschaft etwa:
4 Teelöffel pro Liter
Je nach Mischung und persönlichem Geschmack kann die Dosierung angepasst werden.
Schritt 3: Mit kochendem Wasser aufgießen
Die Teeblätter werden mit sprudelnd kochendem Wasser aufgegossen.
Zunächst wird die Kanne ungefähr zu einem Drittel gefüllt.
Dann darf der Tee ziehen.
Schritt 4: Ziehen lassen
Als Orientierung:
3–5 Minuten
Danach wird die Kanne mit heißem Wasser aufgefüllt.
Sie kann anschließend auf einem Stövchen warmgehalten werden.
Schritt 5: Kluntje in die Tasse
Jetzt kommt der Kandis in die Tasse.
Nicht der Tee zuerst.
Kluntje zuerst.
Schritt 6: Tee einschenken
Nun kommt der kräftige Tee darüber.
Und wenn man genau hinhört, kann der Kandis dabei sogar knacken.
Schritt 7: Wulkje
Zum Schluss wird die Sahne vorsichtig auf den Tee gegeben.
Und dann:
nicht umrühren.
Jetzt kann die kleine ostfriesische Teezeremonie beginnen.
⚖️ Weiches Wasser – warum spielt das eine Rolle?
Wasser wird beim Tee gerne unterschätzt.
Dabei besteht eine Tasse Tee zu einem sehr großen Teil aus Wasser.
Die Wasserqualität beeinflusst deshalb den Geschmack.
Für die traditionelle ostfriesische Zubereitung wird weiches Wasser empfohlen.
Wenn dein Leitungswasser sehr hart ist, kann ein geeigneter Wasserfilter deshalb durchaus einen Unterschied machen.
Und wenn dein Tee plötzlich anders schmeckt, obwohl du nichts am Tee verändert hast?
Schau ruhig einmal aufs Wasser.
Das ist übrigens nicht nur beim Ostfriesentee interessant.
Auch bei anderen Tees kann die Wasserqualität einen deutlichen Einfluss auf den Aufguss haben.
🕰️ Die Teestunde ist mehr als eine Uhrzeit
Eine ostfriesische Teestunde ist nicht einfach:
„17 Uhr – Tee trinken.“
Sie ist vielmehr eine Gelegenheit, sich zusammenzusetzen.
Die Ostfriesische Landschaft beschreibt traditionelle Teezeiten als festen Bestandteil des regionalen Alltags. Auch gemeinsame Teezeiten in Familie und Beruf gehören zur überlieferten Kulturpraxis.
Und genau das finde ich eigentlich besonders schön.
In einer Zeit, in der jeder ständig irgendwohin muss, bedeutet eine Teestunde:
Setz dich hin.
Bleib ein bisschen.
Trink einen Tee.
Reden können wir auch noch.
💬 Klönschnack gehört dazu
Tee und Gespräch gehören in Ostfriesland eng zusammen.
Und vielleicht ist das der Teil der Tradition, der mir persönlich am besten gefällt.
Denn Tee ist hier nicht unbedingt etwas, das man möglichst schnell konsumiert.
Er schafft einen Anlass, zusammenzukommen.
Man sitzt zusammen.
Man redet.
Man lacht.
Man diskutiert.
Man erzählt Geschichten.
Und irgendwann ist die dritte Tasse leer.
Dann merkt man:
Eigentlich wollte ich doch nur kurz auf einen Tee vorbeikommen. 😄
🏡 Ostfriesische Teekultur wird weitergegeben
Eine Tradition lebt nicht davon, dass sie in einem Museum steht.
Sie lebt davon, dass Menschen sie weitergeben.
Genau das passiert auch bei der ostfriesischen Teekultur.
Die UNESCO beschreibt, dass Teegewohnheiten und Vorlieben für bestimmte Mischungen innerhalb von Familien weitergegeben werden.
Das bedeutet:
Die Teemischung, die jemand als Kind kennengelernt hat, kann Jahrzehnte später immer noch die Lieblingsmischung sein.
Und plötzlich wird aus einer Tasse Tee ein Stück Erinnerung.
Das ist dann schon ziemlich viel Kultur für eine kleine Tasse.
🌿 TeeBohne und Ostfriesland
Jetzt könnte man natürlich fragen:
„Was hat die TeeBohne in Einbeck mit Ostfriesland zu tun?“
Eine ganze Menge.
Denn wer sich seit vielen Jahren mit Tee beschäftigt, kommt an der ostfriesischen Teekultur einfach nicht vorbei.
Ostfriesentee gehört zu den klassischen Schwarztee-Erlebnissen.
Und genau deshalb finde ich es wichtig, nicht nur eine Packung Tee zu verkaufen, sondern auch zu erklären:
Was steckt eigentlich dahinter?
Warum kommt Kandis in die Tasse?
Warum Sahne?
Was ist ein Wulkje?
Warum wird nicht umgerührt?
Und was unterscheidet eine Ostfriesenmischung eigentlich von einem normalen Assam?
Das sind die Fragen, die Tee spannend machen.
☕ Ein Wort aus dem TeeBohne-Alltag
Wenn jemand bei TeeBohne sagt:
„Ich suche einen richtig kräftigen Tee.“
dann denke ich ziemlich schnell an Schwarztee.
Und wenn dazu noch kommt:
„Ich mag ihn gerne mit Kandis und einem Schuss Sahne.“
dann ist die Richtung eigentlich schon ziemlich klar. 😉
Denn Ostfriesentee ist nicht unbedingt der Tee für jemanden, der einen zarten, blumigen Aufguss sucht.
Er darf kräftig sein.
Er darf charaktervoll sein.
Und er darf seine Tradition mitbringen.
🍵 Ostfriesentee ist kein Tee für Eilige
Das ist vielleicht mein Lieblingsgedanke an der ganzen Sache.
Man kann eine Tasse Tee natürlich in fünf Minuten trinken.
Aber die ostfriesische Teekultur erinnert uns daran, dass Tee auch etwas anderes sein kann:
eine Pause.
Ein Gespräch.
Ein Ritual.
Ein Stück Alltag.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum diese Tradition über Jahrhunderte erhalten geblieben ist.
Nicht weil irgendjemand gesagt hat:
„Das muss jetzt Kulturerbe werden.“
Sondern weil Menschen Tee einfach immer wieder miteinander getrunken haben.
❓ Häufige Fragen zur ostfriesischen Teekultur
Was ist die ostfriesische Teekultur?
Die ostfriesische Teekultur ist eine über Jahrhunderte gewachsene regionale Kulturpraxis rund um das Teetrinken. Dazu gehören feste Teezeiten, gemeinsames Teetrinken, die ostfriesische Teezeremonie mit Kluntje und Wulkje, typisches Teegeschirr sowie traditionelle Teemischungen. Seit 2016 gehört die Ostfriesische Teekultur zum Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland.
Seit wann trinken die Ostfriesen Tee?
Die ersten Belege für Tee in Ostfriesland stammen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Bereits 1675 wird Teehandel in Leer erwähnt. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Tee zunehmend vom Luxusgetränk zum Alltagsgetränk.
Was ist Kluntje?
Kluntje ist weißer Kandiszucker. Bei der traditionellen ostfriesischen Teezeremonie wird ein Stück Kluntje zuerst in die Tasse gelegt und anschließend mit heißem Tee übergossen.
Was bedeutet Wulkje?
Wulkje bezeichnet das wolkenartige Gebilde, das entsteht, wenn Sahne vorsichtig auf den Tee gegeben wird. Die Sahne sinkt zunächst ab und steigt anschließend wieder auf.
Warum wird Ostfriesentee nicht umgerührt?
Traditionell wird der Tee nicht umgerührt, damit sich die verschiedenen Geschmackseindrücke von Sahne, Tee und Kandis nach und nach entwickeln können. Dadurch kann jeder Schluck etwas anders schmecken.
Was bedeutet „Drei Tassen sind Ostfriesenrecht“?
Damit wird die traditionelle Erwartung beschrieben, dass Gästen bei einer ostfriesischen Teerunde typischerweise mehrere Tassen angeboten werden. Die Ostfriesische Landschaft beschreibt drei Tassen als „Ostfriesenrecht“. Wer keinen weiteren Tee möchte, kann dies traditionell durch einen Löffel in der leeren Tasse signalisieren.
Was ist echter Ostfriesentee?
Ostfriesentee ist eine traditionelle Schwarztee-Mischung. Die „Echt ostfriesische Mischung“ wird von der Deutschen UNESCO-Kommission als regionale Besonderheit beschrieben und besteht insbesondere aus Assam-Tees. In der traditionellen Definition wird sie in Ostfriesland gemischt.
Welche Teesorten werden für Ostfriesentee verwendet?
Viele traditionelle Mischungen basieren stark auf Assam. Je nach Mischung können weitere Schwarztees wie Java, Darjeeling oder Ceylon beteiligt sein. Die genaue Zusammensetzung ist jedoch nicht bei jeder Mischung identisch.
Wie bereitet man Ostfriesentee richtig zu?
Traditionell wird loser Tee mit kochendem Wasser aufgegossen. Als Orientierung werden etwa vier Teelöffel pro Liter genannt. Der Tee zieht zunächst ungefähr drei bis fünf Minuten, danach wird die Kanne aufgefüllt. In der Tasse liegen Kluntje und anschließend kommt das Wulkje aus Sahne dazu.
Wie viel Kluntje kommt in Ostfriesentee?
Das hängt vom persönlichen Geschmack ab. Traditionell wird ein Stück weißer Kandiszucker in die Tasse gelegt. Die genaue Menge ist keine festgeschriebene mathematische Größe.
Muss man Sahne in Ostfriesentee geben?
Wenn du die klassische ostfriesische Teezeremonie erleben möchtest, gehört Sahne beziehungsweise das Wulkje dazu. Für den alltäglichen Schwarztee ist Sahne natürlich keine Pflicht.
Kann man Ostfriesentee auch ohne Zucker trinken?
Natürlich. Dann fehlt allerdings ein klassisches Element der ostfriesischen Teezeremonie. Wer den kräftigen Charakter des Tees pur kennenlernen möchte, kann ihn selbstverständlich zunächst ohne Kluntje und Sahne probieren.
Warum wird Ostfriesentee mit Sahne getrunken?
Die Sahne ist Bestandteil der traditionellen Teezeremonie und ergänzt den kräftigen Schwarztee um eine milde, cremige Komponente. Zusammen mit dem süßen Kluntje entsteht das typische Zusammenspiel der drei Geschmackseindrücke.
Ist Ostfriesentee immer kräftig?
Traditionelle Ostfriesenmischungen sind in der Regel kräftig und vollmundig ausgelegt. Die genaue Stärke hängt jedoch von der jeweiligen Mischung, Dosierung und Zubereitung ab.
Ist Ostfriesentee dasselbe wie Assam?
Nein. Assam ist ein Schwarztee aus der Region Assam in Indien. Ostfriesentee ist dagegen eine Mischung verschiedener Schwarztees, bei der Assam häufig eine wichtige Grundlage bildet.
❤️ Mein TeeBohne-Fazit
Ich glaube, genau deshalb ist die ostfriesische Teekultur so faszinierend.
Sie zeigt, dass Tee mehr sein kann als heißes Wasser und ein paar Blätter.
Er kann Gewohnheit sein.
Er kann Gastfreundschaft sein.
Er kann Familiengeschichte sein.
Er kann Gespräch sein.
Und er kann ein kleines Ritual sein, das sich über Generationen hält.
Kluntje in die Tasse.
Kräftiger Tee darüber.
Wulkje obendrauf.
Nicht umrühren.
Und dann einfach trinken.
Schluck für Schluck.
Und vielleicht ist das überhaupt die schönste Seite der ostfriesischen Teekultur:
Man hat einen Grund, sich hinzusetzen.
Und manchmal braucht man dafür gar keinen besseren Grund.
„Mit ’n Koppke Tee kummt all up Stee.“
Mit einem Tässchen Tee kommt irgendwie alles wieder auf die Reihe. 😉
Liebe Grüße aus der TeeBohne in Einbeck
Euer Jens









