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Wie alt ist Tee? 2.400 Jahre alte Teereste erklärt
Jens Thume · Aktualisiert: · 14 Min. LesezeitTee ist viel älter, als viele denken. Archäologische Funde, alte Texte und moderne Genforschung erzählen eine spannende Geschichte über eines der ältesten Getränke der Welt.
Wie alt ist Tee eigentlich? 500 Jahre? 1.000? Oder vielleicht sogar mehrere tausend Jahre? Die Antwort ist erstaunlich: Archäologen haben Teereste gefunden, die rund 2.400 Jahre alt sind.
Kurz gesagt: Tee wurde nach heutigem Forschungsstand schon vor mehr als 2.000 Jahren genutzt. Ein Fund aus Zoucheng in China liefert Hinweise auf Teerückstände aus der frühen Zeit der Streitenden Reiche – rund 2.400 Jahre alt. Funde bei Xi’an und in Tibet zeigen außerdem, dass Tee schon sehr früh über große Entfernungen transportiert wurde.
Und genau da wird es für mich interessant.
Denn wenn man morgens seine Tasse Tee aufgießt, denkt man normalerweise nicht darüber nach, dass dieses kleine Ritual eine Geschichte hat, die durch Kaisergräber, Gebirge und alte Handelswege führt.
Und nein: Wir müssen dafür nicht gleich bei Kaiser Shennong und dem Jahr 2737 vor Christus anfangen. Das ist eine schöne Geschichte – aber eben eine Legende.
Schauen wir lieber darauf, was Archäologen, Chemiker und Genetiker tatsächlich herausgefunden haben.
Inhaltsverzeichnis
- Pflanze, Nutzung und Getränk – drei verschiedene Fragen
- Die Studie von 2016: Tee vor mehr als 2.000 Jahren
- Xi’an: Tee im Umfeld eines Kaisergrabes
- Tibet: Tee auf 4.290 Metern Höhe
- Tee und die Seidenstraße
- Noch älter: Teerückstände aus Zoucheng
- Was alte Texte über Tee erzählen
- Woher kommt die Teepflanze?
- Vom Blatt zum Getränk
- Und was ist mit Kaiser Shennong?
- Was mich an der Geschichte fasziniert
- Fazit
- Häufige Fragen
- Quellen und Studien
Pflanze, Nutzung und Getränk – drei verschiedene Fragen
Bei der Frage „Wie alt ist Tee?“ werden gerne drei Dinge in einen Topf geworfen. Und dann wird es schnell ein bisschen durcheinander.
- Wie alt ist die Teepflanze? Die Art Camellia sinensis ist natürlich sehr viel älter als jede menschliche Teekultur.
- Seit wann nutzen Menschen die Teepflanze? Das lässt sich für die ganz frühe Zeit nur schwer nachweisen.
- Seit wann wird Tee als Getränk zubereitet? Hier wird es archäologisch besonders spannend, denn dafür gibt es inzwischen konkrete Funde.
Und genau deshalb sollte man nicht einfach sagen: „Tee ist 2.400 Jahre alt.“ Das wäre zwar schön kurz, aber wissenschaftlich zu grob.
Richtiger ist: Die ältesten derzeit diskutierten archäologischen Teerückstände sind rund 2.400 Jahre alt. Die Geschichte der Teepflanze selbst reicht natürlich viel weiter zurück.
Die Studie von 2016: Tee vor mehr als 2.000 Jahren
Eine wichtige Studie erschien am 7. Januar 2016 in Scientific Reports. Sie untersuchte Pflanzenreste aus zwei archäologischen Fundorten: dem Han-Yangling-Mausoleum bei Xi’an in China und dem Gurgyam-Friedhof im westlichen Tibet.
Der Titel der Studie klingt ziemlich wissenschaftlich: „Earliest tea as evidence for one branch of the Silk Road across the Tibetan Plateau“.
Auf Deutsch könnte man ungefähr sagen: Die ältesten Teefunde liefern Hinweise auf einen Handelsweg über das tibetische Hochland.
Wichtig ist dabei: Das war keine „Nature-Studie“, wie man manchmal lesen kann. Die Arbeit erschien in Scientific Reports, einer Fachzeitschrift aus der Nature-Gruppe.
Die Forscher hatten ein ziemlich schwieriges Problem. Nach mehr als 2.000 Jahren sieht ein altes Blatt nämlich nicht mehr unbedingt so aus, wie wir uns ein Teeblatt vorstellen.
Also mussten andere Spuren her.
Woran erkennt man uralten Tee?
Die Forscher untersuchten unter anderem Theanin, Koffein und charakteristische Calciumoxalat-Kristalle aus Pflanzenzellen. Dazu kamen mikroskopische Untersuchungen und Radiokarbondatierungen.
Koffein alleine wäre dabei kein ausreichender Beweis – schließlich gibt es Koffein auch in Kaffee, Kakao, Mate oder Guarana. Die Kombination verschiedener Merkmale macht den Befund wesentlich aussagekräftiger.
Und damit kommen wir zum ersten großen Fundort.
Xi’an: Tee im Umfeld eines Kaisergrabes
Das Han-Yangling-Mausoleum liegt bei Xi’an, dem damaligen Chang’an. Es wurde für Kaiser Jing der Westlichen Han-Dynastie errichtet, der 141 vor Christus starb.
Die Fundstelle gehört damit in die Westliche Han-Zeit des 2. Jahrhunderts vor Christus.
In einer der äußeren Grabgruben fanden die Archäologen zahlreiche Pflanzenreste. Darunter befand sich ein ungewöhnlicher dunkelbrauner, ziegelförmiger Pflanzenblock, der fast ausschließlich aus Teeknospen bestand.
Nur: Anhand der Form allein hätte man noch lange nicht sagen können: „Das ist Tee.“
Erst die chemischen und mikroskopischen Untersuchungen machten den Fund interessant. Die Wissenschaftler fanden unter anderem Theanin, Koffein und charakteristische Kristallstrukturen, die zu Teepflanzen passen.
Eine direkte Radiokarbonmessung der untersuchten Probe ergab etwa 255 ± 80 Jahre vor Christus. Das ist allerdings kein exaktes Kalenderjahr, sondern ein Bereich mit Unsicherheit. Außerdem gehört der Fund zum archäologischen Kontext des Mausoleums von Kaiser Jing.
Und hier lohnt sich eine kleine wissenschaftliche Bremse.
Wir können ziemlich sicher sagen, dass dort vor mehr als 2.000 Jahren Teepflanzenmaterial vorhanden war. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass genau diese Probe nachweislich als Getränk getrunken wurde.
Die Forscher interpretieren den Fund im Zusammenhang mit der Teekultur der Westlichen Han-Zeit. Das ist plausibel – aber Fund und Interpretation sollte man trotzdem nicht miteinander verwechseln.
Genau diese kleine Unterscheidung macht für mich einen guten historischen Artikel aus. Man muss nicht aus jedem alten Blatt gleich eine komplette Teekanne machen. 😉
Tibet: Tee auf 4.290 Metern Höhe
Noch beeindruckender wird die Geschichte beim zweiten Fundort.
Der Gurgyam-Friedhof liegt im Ngari-Gebiet im westlichen Tibet – auf einer Höhe von ungefähr 4.290 Metern über dem Meeresspiegel.
Ja, 4.290 Meter.
Da bekommt „Bergtee“ plötzlich eine ganz andere Bedeutung.
Der archäologische Fund stammt aus einem Grab, das in das 2. bis 3. Jahrhundert nach Christus datiert wird. Neben verschiedenen Grabbeigaben fanden die Forscher einen verbackenen Klumpen aus Pflanzenmaterial.
Auch hier konnten sie Bestandteile nachweisen, die zu Tee passen, darunter Theanin, Koffein und charakteristische Calciumoxalat-Strukturen.
Besonders spannend: In dem Pflanzenmaterial fanden sich außerdem Hinweise auf Gerste.
Die Forscher bringen das mit einer möglichen Zubereitung in Verbindung, die an die traditionelle tibetische Teekultur erinnert. Eine Mischung aus Tee und Gerste wäre dabei grundsätzlich vorstellbar.
Aber auch hier gilt: Das ist eine wissenschaftliche Interpretation und kein direkt beobachtbarer Beweis dafür, dass die Menschen damals bereits genau den Buttertee getrunken haben, den wir heute aus der tibetischen Teekultur kennen.
Was dagegen ziemlich klar ist: Die Teepflanze wächst nicht einfach irgendwo auf 4.290 Metern in Westtibet. Das Pflanzenmaterial musste dorthin gelangt sein.
Tee und die Seidenstraße – aber bitte nicht als eine einzige Straße vorstellen
Wenn man von der Seidenstraße spricht, entsteht schnell das Bild einer einzigen alten Straße, auf der Händler mit Kamelen von China bis Europa unterwegs waren.
So einfach war es natürlich nicht.
Die Seidenstraße war vielmehr ein riesiges Netz aus Handels- und Verkehrswegen. Waren, Menschen, Wissen, Pflanzen und kulturelle Ideen konnten auf ganz unterschiedlichen Routen unterwegs sein.
Die Autoren der Studie von 2016 sehen im Fund von Gurgyam einen Hinweis darauf, dass Tee bereits früh über einen Handelsweg durch das tibetische Hochland transportiert wurde.
Das ist eine spannende Interpretation – aber der genaue Weg lässt sich aus einem einzelnen Grab natürlich nicht auf einer Landkarte nachzeichnen.
Auch alternative Routen, etwa über Gebiete des heutigen Qinghai oder das Changthang-Hochland, werden in der fachlichen Diskussion berücksichtigt.
Deshalb gefällt mir die Formulierung „ein möglicher Zweig der alten Handelsnetze“ besser als die Behauptung, wir wüssten heute exakt, welchen Weg jedes Teeblatt damals genommen hat.
Was wir aber wissen: Tee war schon sehr früh nicht nur eine Pflanze, sondern offenbar auch ein transportierbares Gut.
Noch älter: Teerückstände aus Zoucheng
Und jetzt kommt der Fund, der die Sache noch einmal ordentlich durcheinanderwirbelt.
2021 veröffentlichten Jianrong Jiang, Guoquan Lu, Qing Wang und Shuya Wei eine Untersuchung von verkohlten Pflanzenresten aus einem Grab in Zoucheng in der chinesischen Provinz Shandong.
Der Fund stammt aus der frühen Zeit der Streitenden Reiche und ist ungefähr 2.400 Jahre alt.
Das Besondere daran: Die Reste lagen in einer Schale.
Die Forscher untersuchten das Material mit mehreren Verfahren. Dazu gehörten Analysen von Calcium-Phytolithen, Infrarotspektroskopie sowie verschiedene chromatografische und massenspektrometrische Untersuchungen.
Sie fanden dabei unter anderem für Tee charakteristische Kristallstrukturen und Koffein. Außerdem ähnelten bestimmte chemische Muster denen moderner Teerückstände.
Die Forscher kamen deshalb zu dem Schluss, dass es sich sehr wahrscheinlich um Teerückstände nach dem Kochen oder Aufbrühen handelt.
Und genau deshalb ist dieser Fund so interessant.
Hier geht es nicht mehr nur um die Frage: „Gab es damals irgendwo Teepflanzen?“
Die Lage in der Schale und die Untersuchungsergebnisse sprechen vielmehr dafür, dass Tee damals tatsächlich zubereitet worden sein könnte.
Jensis Gedanke dazu:
Ganz ehrlich: Ich finde das schon ziemlich irre.
Da liegt eine kleine Schale mit verkohlten Pflanzenresten irgendwo in China. Fast 2.400 Jahre lang interessiert sich kein Mensch mehr dafür – und heute schaut jemand mit modernen Analyseverfahren hinein und findet Spuren, die sagen: Hier war sehr wahrscheinlich Tee im Spiel.
Wir machen uns heute Gedanken darüber, ob unser Tee drei oder vier Minuten ziehen soll. Die Menschen damals hatten ganz andere Probleme. Aber offenbar hatten sie schon etwas gemeinsam mit uns: Eine Tasse beziehungsweise Schale Tee war ihnen die Mühe wert.
Was alte Texte über Tee erzählen
Archäologische Funde sind das eine. Schriftliche Quellen sind das andere.
Die Studie von 2016 nennt 59 vor Christus als früheste eindeutige schriftliche Erwähnung von Tee als Getränk.
Das ist besonders interessant, weil die archäologischen Funde teilweise noch älter sind.
Man sieht daran sehr schön, warum Geschichte nicht einfach eine Liste von Jahreszahlen ist.
Ein Mensch kann etwas benutzen, lange bevor jemand es schriftlich festhält.
Und selbst wenn jemand darüber schreibt, heißt das noch lange nicht, dass wir den allerersten Zeitpunkt erwischt haben. Es ist lediglich der älteste eindeutige schriftliche Beleg, den wir derzeit kennen.
Woher kommt die Teepflanze eigentlich?
Jetzt machen wir einen kleinen Sprung von der Archäologie in die Genetik.
Denn die Frage, wann Menschen Tee getrunken haben, ist etwas anderes als die Frage, wo die Teepflanze selbst ursprünglich herkommt.
Die Teepflanze heißt wissenschaftlich Camellia sinensis. Sie ist natürlich viel älter als die ersten archäologischen Hinweise auf menschlichen Teekonsum.
Eine große Genomstudie aus dem Jahr 2025 untersuchte 1.325 Camellia-Zugänge aus 14 wichtigen Teeanbauländern. Davon wurden 802 Pflanzen neu tief sequenziert.
Das Ergebnis stützt die Bedeutung von Südwestchina als Ursprungs- und Domestikationszentrum der Teepflanze.
Besonders interessant sind dabei die Regionen Yunnan, Sichuan und Guizhou. In dieser Region finden sich alte Teebäume und verwandte Pflanzenformen, die genetisch wichtige Zwischenstellungen zwischen wilden und kultivierten Pflanzen einnehmen.
Die Forschung ist damit allerdings noch nicht fertig. Gerade bei der Frage, wie genau die verschiedenen Teeformen domestiziert wurden und wie viele unabhängige Domestikationsprozesse es gegeben haben könnte, gibt es weiterhin Diskussionen.
Das finde ich eigentlich viel spannender als eine angeblich endgültige Antwort.
Denn die Geschichte der Teepflanze sieht nach dem heutigen Forschungsstand eher wie ein verzweigter Stammbaum aus – und nicht wie eine gerade Linie mit einem Schild am Anfang: „Hier wurde Tee erfunden.“
Vom Blatt zum Getränk
Eine Sache sollten wir dabei nicht vergessen: Tee wurde früher wahrscheinlich nicht genauso zubereitet wie heute.
Wenn wir heute an Tee denken, haben wir meistens ein ziemlich klares Bild im Kopf: Wasser erhitzen, Tee hinein, warten, fertig.
Historische Teekultur war deutlich vielfältiger.
Frühe chinesische Quellen und spätere Darstellungen beschreiben unterschiedliche Formen der Nutzung und Verarbeitung. Tee beziehungsweise die Teepflanze wurde nicht ausschließlich als Getränk verwendet.
Mit der Zeit entwickelten sich daraus immer ausgefeiltere Formen der Verarbeitung und Zubereitung. Besonders während der Tang-Zeit wurde Tee zu einem festen Bestandteil der chinesischen Kultur.
Und irgendwann war aus einer Pflanze ein richtiges Kulturgut geworden.
Das ist vielleicht der spannendste Teil der ganzen Geschichte: Das Alter des Tees steckt nicht nur im Blatt. Es steckt in der Art, wie Menschen ihn benutzt, gehandelt, zubereitet und weitergegeben haben.
Und was ist mit Kaiser Shennong?
Jetzt dürfen wir natürlich die berühmteste Teegeschichte nicht unterschlagen.
Der legendäre chinesische Kaiser Shennong soll Tee bereits im Jahr 2737 vor Christus entdeckt haben. Der Geschichte nach fielen Teeblätter in heißes Wasser und daraus entstand das erste Teegetränk.
Eine wunderschöne Geschichte.
Aber eben eine Geschichte.
Für dieses konkrete Datum gibt es keinen archäologischen Nachweis. Deshalb sollte man die Shennong-Erzählung als kulturelle Überlieferung und nicht als wissenschaftlich bewiesene Jahreszahl darstellen.
Und ehrlich gesagt muss die Geschichte dadurch überhaupt nicht weniger schön werden.
Man darf eine Legende genießen und gleichzeitig die wissenschaftlichen Funde ernst nehmen. Beides muss sich nicht gegenseitig kaputtmachen.
Was mich an dieser Geschichte fasziniert
Wenn ich morgens meinen Kaffee trinke oder mir später eine Tasse Tee mache, denke ich normalerweise nicht darüber nach, was vor 2.000 Jahren irgendwo in China passiert ist.
Aber genau solche Geschichten machen ein Produkt für mich interessanter.
Ein Teeblatt ist auf den ersten Blick eben nur ein Teeblatt.
Dann erfährt man, dass Menschen es vor mehr als 2.000 Jahren schon genutzt haben. Dass Teepflanzenmaterial in einem Kaisergrab gefunden wurde. Dass Tee auf 4.290 Metern Höhe in Tibet auftaucht. Dass Forscher in einer alten Schale chemische Spuren finden, die auf aufgebrühten Tee hindeuten.
Und plötzlich sieht die nächste Tasse Tee ein kleines bisschen anders aus.
Vielleicht schmeckt sie dadurch nicht besser.
Aber man weiß mehr über das, was da eigentlich in der Tasse schwimmt.
Mein persönlicher Tee-Gedanke:
Ich mag genau solche Geschichten, weil sie zeigen, dass Tee nie nur ein Getränk war.
Er war Nahrung, Handelsware, Kultur, Tradition und irgendwann ein weltweites Genussmittel.
Und heute steht er bei uns einfach auf dem Küchentisch.
Eigentlich verrückt, wenn man mal darüber nachdenkt. ❤️
Fazit: Eine Tasse Tee mit mehr als 2.000 Jahren Geschichte
Wie alt ist Tee nun wirklich?
Die ehrlichste Antwort lautet: Das hängt davon ab, was wir mit „Tee“ meinen.
Archäologische Untersuchungen liefern Hinweise auf Teerückstände, die rund 2.400 Jahre alt sind. Der Fund von Zoucheng wird von den Forschern als Rückstand nach dem Kochen oder Aufbrühen interpretiert.
Die Funde aus dem Han-Yangling-Mausoleum bei Xi’an zeigen Teepflanzenmaterial aus der Zeit der Westlichen Han-Dynastie. Und der Fund aus Gurgyam belegt Tee spätestens im 2. bis 3. Jahrhundert nach Christus auch im westlichen Tibet.
Die früheste eindeutige schriftliche Erwähnung von Tee als Getränk wird von der 2016er Studie auf 59 vor Christus datiert.
Und die moderne Genforschung deutet darauf hin, dass die Geschichte der Teepflanze selbst besonders eng mit dem Südwesten Chinas verbunden ist.
Was mir daran gefällt: Je mehr wir über Tee herausfinden, desto weniger wirkt seine Geschichte wie eine einfache Gerade.
Sie ist eher ein großes Durcheinander aus Pflanzen, Menschen, Handelswegen, Zufällen, Legenden und ziemlich viel Zeit.
Und mittendrin steht eine Pflanze, aus der wir heute einfach eine Tasse Tee machen.
Vielleicht ist genau das der schönste Teil der Geschichte.
„Eine gute Tasse Tee braucht nicht viel: Wasser, Blätter, ein bisschen Zeit – und manchmal eine Geschichte, die mehr als 2.000 Jahre zurückreicht.“
– Dein Jensi von TeeBohne Einbeck ☕❤️
🍵 Lust auf Tee mit Geschichte?
Wenn du nach dieser kleinen Zeitreise jetzt Lust auf eine Tasse bekommst, kannst du bei TeeBohne natürlich direkt weiterstöbern:
Häufige Fragen zum Alter des Tees
Wie alt ist Tee wirklich?
Die ältesten derzeit diskutierten archäologischen Teerückstände sind rund 2.400 Jahre alt. Der Fund aus Zoucheng in China wird als Teerückstand nach dem Kochen oder Aufbrühen interpretiert. Die Teepflanze selbst ist natürlich wesentlich älter.
Was ist der älteste bekannte Teefund?
Ein Fund aus einem Grab in Zoucheng in der chinesischen Provinz Shandong stammt aus der frühen Zeit der Streitenden Reiche und ist ungefähr 2.400 Jahre alt. Die untersuchten Reste werden von den Forschern als Teerückstände interpretiert.
Seit wann trinken Menschen Tee?
Archäologische Funde liefern Hinweise darauf, dass Tee bereits vor rund 2.400 Jahren als Getränk zubereitet wurde. Eine frühe eindeutige schriftliche Erwähnung von Tee als Getränk stammt aus dem Jahr 59 vor Christus.
Woher stammt die Teepflanze?
Moderne genetische Untersuchungen sehen Südwestchina als wichtigen Ursprungs- und Domestikationsraum der Teepflanze. Besonders Yunnan, Sichuan und Guizhou spielen dabei eine wichtige Rolle.
Wie kam Tee nach Tibet?
Ein archäologischer Fund aus Gurgyam im westlichen Tibet zeigt, dass Tee bereits im 2. bis 3. Jahrhundert nach Christus auf dem tibetischen Hochland vorhanden war. Der genaue Handelsweg ist nicht sicher bekannt. Die Forschung diskutiert verschiedene mögliche Routen.
War Tee schon vor der Han-Dynastie bekannt?
Die Forschung diskutiert eine Nutzung der Teepflanze bereits vor der Han-Zeit. Die 2021 untersuchten Teereste aus Zoucheng stammen aus der frühen Zeit der Streitenden Reiche und liefern einen deutlich älteren archäologischen Hinweis auf zubereiteten Tee.
Stimmt die Geschichte von Kaiser Shennong?
Die Erzählung, dass Kaiser Shennong Tee im Jahr 2737 vor Christus entdeckt habe, ist eine bekannte chinesische Legende. Für dieses konkrete Datum gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg.
Wurde Tee früher genauso getrunken wie heute?
Das wissen wir nicht genau. Zubereitung und Verarbeitung haben sich im Laufe der Geschichte verändert. Der Fund aus Tibet enthält beispielsweise auch Hinweise auf Gerste und wird von den Forschern im Zusammenhang mit möglichen traditionellen Zubereitungsformen interpretiert.
Quellen und weiterführende Forschung
Bei diesem Thema lohnt sich ein Blick in die Originalarbeiten. Gerade bei sehr alten Funden sollte man zwischen dem tatsächlich gefundenen Material, seiner Datierung und der wissenschaftlichen Interpretation unterscheiden.
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Lu, H. et al. (2016): Earliest tea as evidence for one branch of the Silk Road across the Tibetan Plateau, Scientific Reports 6, 18955.
DOI: 10.1038/srep18955 -
Jiang, J., Lu, G., Wang, Q. & Wei, S. (2021): The analysis and identification of charred suspected tea remains unearthed from Warring State Period Tomb, Scientific Reports 11, 16557.
DOI: 10.1038/s41598-021-95393-w -
Kong, W. et al. (2025): Genomic analysis of 1,325 Camellia accessions sheds light on agronomic and metabolic traits for tea plant improvement, Nature Genetics 57, 997–1007.
DOI: 10.1038/s41588-025-02135-z -
Meegahakumbura, M. K. et al. (2018): Domestication Origin and Breeding History of the Tea Plant (Camellia sinensis) in China and India Based on Nuclear Microsatellites and cpDNA Sequence Data, Frontiers in Plant Science 8, 2270.
DOI: 10.3389/fpls.2017.02270
Hinweis: Bei historischen und archäologischen Aussagen sollte man zwischen gesicherten Funden, wissenschaftlichen Interpretationen und überlieferten Legenden unterscheiden. Gerade beim Ursprung und bei der frühen Nutzung des Tees sind noch nicht alle Fragen abschließend geklärt.
☕ Über den Autor: Jens Thume
Seit 2002 dreht sich bei mir vieles um Tee, Kaffee und die Geschichten dahinter. Durch meine Ausbildung im Hotel, viele Jahre praktische Erfahrung und unsere Zeit im Fachhandel habe ich gelernt: Hinter einer Tasse Tee steckt meistens deutlich mehr, als man auf den ersten Blick vermutet.
Bei solchen Artikeln recherchiere ich deshalb nicht einfach irgendeine Jahreszahl aus dem Internet zusammen. Ich schaue mir wissenschaftliche Studien, historische Quellen und unterschiedliche Sichtweisen an – und versuche anschließend, das Ganze so zu erklären, dass man dabei nicht nach drei Absätzen einschläft. 😄🍵
Was ich selbst aus den Quellen herauslese, kennzeichne ich dabei genauso wie das, was wissenschaftlich belegt ist. Denn gerade bei der Geschichte von Tee liegen Legenden, Vermutungen und tatsächlich nachgewiesene Funde manchmal erstaunlich dicht beieinander.
👉 Mehr über Jens Thume und die Geschichte von TeeBohne erfahren
Dein Jensi von TeeBohne Einbeck ☕❤️









