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Kaffeepreis: Lagerbestände steigen wieder – wird Kaffee günstiger?
Jens Thume · Aktualisiert: · 8 Min. Lesezeit☕ Kaffeepreis-Update: Die Lagerbestände steigen wieder – wird Kaffee jetzt günstiger?
Kurz gesagt: Nach dem historischen Tief bei den Arabica-Lagerbeständen gibt es erstmals wieder ein deutliches Signal in die andere Richtung: Die ICE-Bestände sind auf 258.415 Säcke gestiegen. Entspannung? Vielleicht. Entwarnung? Noch lange nicht.
☕ Was gerade auf dem Kaffeemarkt passiert:
Vor wenigen Tagen sah es noch ziemlich angespannt aus: Die zertifizierten Arabica-Bestände an der ICE-Börse waren auf rund 218.000 Säcke gefallen – ein Niveau, das seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen worden war.
Jetzt dreht sich das Bild zumindest ein kleines Stück.
Am 18. September erreichten die Bestände 258.415 Säcke. Allein an diesem Tag kamen 10.528 Säcke hinzu. Auch über die Woche gerechnet stiegen die Lagerbestände deutlich.
Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit. Im Kaffeemarkt ist es das nicht. Denn genau diese zertifizierten Bestände zeigen, wie viel sofort verfügbares Angebot an der Börse tatsächlich vorhanden ist.
Aber bevor jetzt jemand denkt: „Super, dann wird Kaffee nächste Woche 30 Prozent billiger!“ – ganz langsam. 😄
Was hat sich bei den Kaffee-Lagerbeständen verändert?
Die Veränderung ist deshalb interessant, weil sie nach einer langen Phase extrem niedriger Arabica-Bestände kommt.
Die ICE-zertifizierten Arabica-Bestände stiegen am 18. September um 10.528 Säcke auf 258.415 Säcke. Über die gesamte Woche summierte sich der Anstieg auf 40.483 Säcke.
Damit ist der Bestand zwar wieder auf dem höchsten Niveau seit ungefähr anderthalb Monaten – aber vom normalen Gefühl eines „vollen Lagers“ sind wir noch weit entfernt.
Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor lagen die zertifizierten Bestände bei rund 658.000 Säcken. Der aktuelle Bestand liegt damit weiterhin rund 61 Prozent darunter.
Das ist der entscheidende Punkt: Die Richtung hat sich verbessert, das absolute Niveau bleibt aber ungewöhnlich niedrig.
☕ Jensi-Gedanke:
Das ist ein bisschen wie bei einem Kühlschrank, der wochenlang fast leer war. Wenn plötzlich wieder ein paar Lebensmittel drinstehen, sieht das schon deutlich besser aus. Aber deswegen ist der Kühlschrank noch lange nicht voll. 😂
Warum kommen jetzt plötzlich wieder mehr Kaffeebohnen?
Ein wichtiger Teil der Erklärung liegt in Brasilien.
Die neue Ernte kommt zunehmend auf den Markt und die brasilianischen Exporte laufen sehr kräftig. Im August wurden insgesamt rund 4,16 Millionen Säcke Kaffee verschifft – so viel wie noch nie in einem August seit Beginn der Cecafé-Zeitreihe.
Besonders auffällig war Robusta beziehungsweise Conilon: Im August wurden davon rund 953.600 Säcke exportiert, ein Rekord für diesen Monat und mehr als 50 Prozent über dem Vorjahreswert.
Für das gesamte brasilianische Erntejahr 2026/27 erwartet das USDA Exporte von rund 49 Millionen 60-Kilo-Säcken. Aktuelle Branchenberichte nennen auf Basis der USDA-Prognose rund 49,1 Millionen Säcke.
Auch die ersten beiden Monate des neuen brasilianischen Erntejahres zeigen, dass tatsächlich mehr Kaffee in Bewegung kommt: Im Juli und August zusammen wurden rund 7,2 Millionen Säcke exportiert – etwa 21,5 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Und genau hier wird es für unseren Kaffeepreis interessant
Eine große Ernte auf dem Papier ist nämlich noch kein voller Lagerbestand.
Die Bohnen müssen zunächst geerntet, aufbereitet, sortiert, geprüft, verkauft, verschifft und schließlich an den entsprechenden Stellen eingelagert werden.
Jetzt sehen wir zumindest einen Teil dieser Kette tatsächlich in den Zahlen.
Mehr Export = mehr physischer Kaffee unterwegs.
Und wenn davon anschließend mehr Kaffee in den zertifizierten Lagern ankommt, verändert das wiederum die unmittelbare Versorgungslage an der Börse.
Genau deshalb ist der Anstieg auf 258.415 Säcke interessanter als eine reine Ernteprognose.
Was macht der Kaffeepreis inzwischen?
Auch die Börsenkurse haben auf die veränderte Versorgungserwartung reagiert.
| Bereich | Aktueller Stand | Was auffällt |
|---|---|---|
| Arabica, Dezember 2026 | ca. 280,50 US-Cent/Pfund | unter dem Niveau der Vorwoche, aber am 18. September wieder etwas erholt |
| Arabica-Lager ICE | 258.415 Säcke | höchster Stand seit rund 1,5 Monaten |
| Robusta-Lager ICE | 5.043 Lots | höchster Stand seit rund 9,5 Monaten |
Der Dezember-Arabica-Kontrakt schloss am 18. September bei rund 280,50 US-Cent je Pfund. Gleichzeitig lagen die Arabica-Bestände wieder deutlich über dem Tiefstand der vorherigen Tage.
Bei Robusta erreichten die zertifizierten Bestände ebenfalls rund 5.043 Lots – den höchsten Stand seit etwa neuneinhalb Monaten.
Aber wird Kaffee deshalb jetzt sofort günstiger?
Das wäre momentan zu früh gesagt.
Die Börse handelt Erwartungen. Eine Kaffeepackung im Online-Shop oder Supermarkt besteht dagegen aus Kaffee, der möglicherweise schon vor Monaten oder sogar länger eingekauft wurde.
Dazwischen liegen außerdem:
- Rohkaffee-Einkauf
- Transport und Logistik
- Röstung
- Verpackung
- Energie
- Personal
- Handel und Vertrieb
- bestehende Einkaufsverträge
Deshalb kann ein fallender Börsenpreis durchaus eine Weile brauchen, bis er sich in den Preisen für gerösteten Kaffee bemerkbar macht.
☕ Der wichtige Unterschied:
Börsenpreis ist nicht gleich Kaffeepreis im Regal.
Aber die Entwicklung an der Börse kann natürlich beeinflussen, zu welchen Preisen Röstereien ihren Rohkaffee künftig einkaufen.
Warum ich trotzdem noch nicht von einer Entspannung sprechen würde
Weil gleichzeitig weiterhin einige Unsicherheiten im Markt stecken.
Die aktuelle Situation wird zwar durch hohe brasilianische Exportmengen und bessere Versorgungsaussichten unterstützt. Gleichzeitig bleiben Wetter und die Entwicklung der kommenden Ernten wichtige Faktoren.
Besonders aufmerksam wird derzeit auf mögliche El-Niño-Effekte geschaut. Solche Wetterentwicklungen können die Niederschlags- und Temperaturbedingungen in wichtigen Anbauregionen verändern. Das bedeutet nicht, dass eine bestimmte Ernte automatisch schlecht wird – aber die Unsicherheit bleibt.
Und genau deshalb wäre es meiner Meinung nach falsch, aus ein paar besseren Lagerzahlen sofort eine langfristige Trendwende abzuleiten.
Was bedeutet das für Kaffeetrinker?
Wenn die Lagerbestände weiter steigen, die brasilianischen Exporte hoch bleiben und gleichzeitig keine neuen größeren Wetterprobleme auftreten, könnte sich die Versorgungslage weiter entspannen.
Das wäre langfristig natürlich eine wichtige Voraussetzung dafür, dass auch der Preisdruck auf dem Rohkaffeemarkt nachlässt.
Aber wir brauchen dafür nicht einen guten Freitag, sondern mehrere Wochen mit ähnlichen Signalen.
☕ Jensi-Fazit:
Ich würde deshalb momentan weder „Kaffee wird jetzt billig!“ noch „Alles bleibt teuer!“ auf das Schild schreiben.
Interessanter ist etwas anderes:
Zum ersten Mal seit längerer Zeit sehen wir bei den Lagerbeständen tatsächlich eine Bewegung in die richtige Richtung.
Die Vorräte steigen. Brasilien exportiert große Mengen. Auch bei Robusta sind die Bestände deutlich höher.
Das ist noch keine Entwarnung – aber es ist definitiv eine Entwicklung, die man beobachten sollte.
Und genau das machen wir hier bei TeeBohne weiter. 😉
Und was bedeutet das jetzt für deine Tasse Kaffee?
Eigentlich etwas ziemlich Schönes:
Dein Kaffee muss heute nicht anders schmecken, nur weil sich irgendwo in New York die Zahlen verändern. ☕❤️
Aber wenn sich die weltweiten Versorgungslage tatsächlich nachhaltig verbessert, könnte das irgendwann auch bei den Einkaufspreisen für Rohkaffee ankommen.
Bis dahin schauen wir weiter auf Ernten, Lagerbestände, Exporte, Wetter und natürlich auf das, was am Ende wirklich in der Tasse landet.
Und sobald sich beim Kaffeepreis wieder etwas wirklich Interessantes tut, gibt es das nächste Update.
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Und falls du jetzt erst einmal einfach eine gute Tasse Kaffee brauchst: Das kann ich dir natürlich auch nicht übel nehmen. 😉☕
❓ Häufige Fragen zum Kaffeepreis-Update
Warum steigen die Kaffee-Lagerbestände gerade wieder?
Vor allem weil mehr Kaffee aus der neuen Ernte auf den internationalen Markt kommt. Besonders Brasilien exportiert derzeit große Mengen. Dadurch steigt auch die Menge Kaffee, die in den zertifizierten ICE-Lagern ankommt.
Wie hoch sind die Arabica-Lagerbestände aktuell?
Am 18. September 2026 lagen die ICE-zertifizierten Arabica-Bestände bei 258.415 Säcken. Damit erreichten sie den höchsten Stand seit rund anderthalb Monaten.
Ist Kaffee jetzt bald wieder günstiger?
Das lässt sich noch nicht sicher sagen. Steigende Lagerbestände und hohe Exportmengen sind Signale für eine bessere Versorgung. Bis sich das dauerhaft auf die Preise von geröstetem Kaffee auswirkt, können jedoch Wochen oder Monate vergehen.
Wie viel Kaffee exportiert Brasilien 2026/27?
Das USDA prognostiziert für Brasilien im Erntejahr 2026/27 Exporte von rund 49 Millionen 60-Kilo-Säcken. Aktuelle Berichte nennen auf Basis dieser Prognose rund 49,1 Millionen Säcke.
Warum sind die Lagerbestände trotz der besseren Entwicklung noch niedrig?
Der Anstieg kommt von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau. Die Bestände von 258.415 Säcken liegen weiterhin deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Deshalb kann man aus dem aktuellen Anstieg noch keine vollständige Entspannung ableiten.
Welche Rolle spielt Brasilien beim aktuellen Kaffeepreis?
Brasilien ist der wichtigste Kaffeeproduzent der Welt und spielt deshalb eine zentrale Rolle bei der globalen Versorgung. Hohe Ernten und steigende Exporte aus Brasilien können das weltweite Angebot erhöhen und damit den Preisdruck beeinflussen.
Warum ist der Börsenpreis nicht gleich der Preis für Kaffee im Online-Shop?
Zwischen Rohkaffee-Börsenpreis und fertiger Kaffeepackung liegen unter anderem Einkauf, Verträge, Transport, Röstung, Verpackung, Energie, Personal und Handel. Deshalb verändern sich Verbraucherpreise normalerweise nicht unmittelbar mit jeder Bewegung an der Börse.
Bleibt das Wetter ein Risiko für die Kaffeeernte?
Ja. Kaffee ist stark vom Wetter in den Anbauregionen abhängig. Neben den aktuellen Erntebedingungen werden deshalb auch mögliche Entwicklungen wie El Niño beobachtet. Wetterveränderungen können die Aussichten für kommende Ernten beeinflussen.

☕ Über den Autor: Jens Thume
Ich bin der Jensi hinter TeeBohne – und beim Kaffeepreis schaue ich inzwischen ziemlich genau hin. Schließlich geht es hier nicht nur um irgendeine Zahl an der Börse, sondern irgendwann auch um die Frage, was davon bei uns im Online-Shop und in der Kaffeetasse ankommt. 😉
Durch meine Ausbildung im Hotelbereich und meine frühere Arbeit im Einkauf kenne ich Kaffee und Tee nicht nur aus dem Regal. Bei solchen Marktbewegungen interessiert mich deshalb besonders: Was passiert tatsächlich – und was klingt nur auf den ersten Blick spektakulär?
Für dieses Update habe ich die aktuellen Lagerbestände, Ernte- und Exportzahlen sowie die Entwicklungen in den wichtigen Anbauländern angeschaut und versuche, daraus das zu machen, was ich auch einem Kunden erzählen würde: verständlich, ehrlich und ohne unnötiges Börsen-Blabla.









